Start

Rebellion im Plattenbau - Die Offene Arbeit in Halle-Neustadt 77-83

Seit den frühen 1970er Jahren wurde in der Evangelischen Kirche in der DDR mit alternativen Ansätzen zur kirchlichen Jugendarbeit experimentiert. Der am weitesten gehende Versuch war die Offene Arbeit (OA). Mit der bedingungslosen Öffnung einzelner Junger Gemeinden für alle entstand in der Kirche ein schützender Freiraum für Heranwachsende: unabhängig von Konfession und politischer Einstellung und jenseits der engen Grenzen staatlich verordneter Angebote zur Jugendbetreuung
Die sozialistische Chemiearbeiterstadt Halle-Neustadt war ein Prestigeprojekt der DDR-Staatsführung. Hier sollte der neue Mensch einer neuen Gesellschaft zuhause sein. Doch entgegen anderslautender Selbstbehauptungen entwickelte sich auch in der DDR – besonders in den an Möglichkeiten zur eigenständigen Freizeitgestaltung armen Neubauvierteln – ein Jugendproblem. Halle-Neustadt sollte sich als ein besonderer Resonanzboden für die OA als selbstverantworteter Jugendarbeit erweisen.
Die sich ab 1977 in Halle-Neustadt entfaltende Offene Arbeit fand rasch Zuspruch bei von Heranwachsenden und jungen Erwachsenen. Binnen kurzer Zeit kamen so viele regelmäßig, dass diese Entwicklung der Staatsmacht nicht verborgen bleiben konnte. Zu den Gemeindefesten der OA Ha-Neu, den Werkstattagen, reisten Hunderte Jugendliche aus der Republik herbei. Gerade, weil sich dort eine signifikante Minderheit formte, wurden staatlicherseits ab 1978 mit zunehmendem Aufwand Maßnahmen ergriffen, die Offene Arbeit in Halle-Neustadt langfristig wirksam zu unterbinden.